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Orgelbau

klassich und digital

Ich habe das Grundhandwerk bei einem Berliner Orgelbaumeister erlent und mir einen elektrischen Spieltisch mit Hauptwerk-Software nach BDO-Norm gebaut.

Über den Bau eines Spieltischs mit "Hauptwerk"-Software

Gut, wenn man ein Intrument in seiner Nähe hat, auf dem man regelmäßg üben darf. Zwischendurch daheim üben, geht zwar grundsätzlich auch mit einem Klavier, aber eine Orgel mit Vollpedal wäre schon sehr hilfreich. Allein schon des Spielgefühls wegen. Also wurde die Wohnung kurzehand in eine Orgelbau-Werkstatt umfunktioniert.

Die Abende werden allmählich länger, und ich verspüre immer häufiger die Stimmung, einfach etwas mehr üben zu wollen. Am Instrument in der Kirchengemeinde darf ich stets üben, wenn es nicht besetzt ist. Aber hin und wieder muss ich - wie wohl viele Organisten - zuhause üben. Eine elektrische Orgel kommt für mich nicht in Frage - weder eine der sogenannten Heimorgeln noch eine elektronische Sakralorgel, die Ihre Töne synthetisch erzeugt.

Es kommen also nur zwei Möglichkeiten in Betracht: Entweder baue ich mir eine echte Pfeifenorgel ins Wohnzimmer - oder ich arbeite mit einer Softwaresimulation und lasse mir die Töne einer echten Orgel von einem Computer abspielen. Ich entschied mich für das letztere Verfahren, denn der Platz für 30 Register reicht zwischen Sofa und Bücherregal nicht aus. So begann ich mit Planung und Bau eines Spieltisches.

Dazu benötige ich einen leistungsstarken Computer, viel Holz für den Spieltisch, mehrere Orgel-Manuale, Koppeln, eine Registersteuerung, eine Orgelbank und ein Pedal. Als Software recherchierte ich Hauptwerk und GrandOrgue.

Vom Ansatz her funktioniert das folgendermassen: Die Software kann über MIDI angesteuert werden und erhält beispielsweise den Befehl, das eingestrichene d' abzuspielen. In einer Ton-Datenbank hat die Software diesen Ton als Originalaufnahme einer echten existierenden Pfeifenorgel. Und zwar für jedes Register einzeln aufgenommen. Ausserdem besteht jeder Ton eigentlich aus drei Tönen: nämlich der Ansprache, einem Ton-Loop und einer weiteren Aufnahme des ausklingenden Tons mit Raumhall. Erhält also Software den Befehl zum Abspielen, so spielt sich zunächst die Aufnahme mit dem angeschlagenen Ton ab und schließt daran nahtlos die Loop-Aufnahme des Tons an. Sobald der MIDI-Befehl zum Abspielen beendet wird, schaltet die Software auf die Aufnahme des ausklingenden Tons.

Wie viele Tonaufnahmen liegen in der Datenbank? Dazu nimmt man die Anzahl der Manuale der Urspungsorgel, multipliziert sie mit dem Tonumfang eines Manuals, addiert den Umfang Pedaltöne hinzu, multipliziert diese mit der Anzahl alles Pfeifen aller Register und verdreifacht das Ergebnis für die oben beschriebenen drei Einzelaufnahmen der Tonbestandteile. Und all' diese Töne legt der Rechner in seinem Arbeitsspeicher ab - dieser darf also nicht zu klein bemessen sein.

Zu Beginn meiner Planung stand das Pedal. Dies erschien mir am schwierigsten für einen Selbstbau, und so hielt ich Ausschau nach einem aus einer Kirchenorgel ausgeschlachteten Teil.Ich fand schließlich in einem Auktionhaus im Internet ein Vollpedal, das zu meinem Vohaben vorzüglich paßte. Ich möchte übrigens jedem davon abraten, sich ein Pedal als Postpaket schicken zu lassen. Meins kam beschädigt an und machte es zu einem besonderen Sanierungsfall.

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So ein Pedal benötigt nun zwei Dinge: zum einen eine Ausrüstung mit Midi (die sogenannte Midifizierung des Pedals), zum anderen eine Orgelbank.

Für die Midifizierung besorgte ich mit einen Bausatz. Er beinhaltet eine elektronische Schaltung mit einer Vielzahl frei beschaltbarer Eingänge sowie einen Midi-Ausgang. Um die Eingänge zu schalten, befestigte ich Reedkontakte und Magnete an jeder Pedaltaste. Als etwas tricky erwies sich die Justage des richtigen Schaltpunktes.

Was die Orgelbank betrifft, so fand ich heraus, dass der Baumarkt um die Ecke einem fast beliebig viele gerade Schnitte in eine Arbeitsplatte sägt. Also zeichnete ich nach Anfertigung der Kontruktionspläne ein Schnittmuster und ließ mir eine Arbeitsplatte aus Buche in Einzelteile zersägen.

Mit dem midifizierten Pedal, der Orgelbank und einem elektrischen Klavier mit MIDI-Eingang konnte ich erst mal eine Zeit lang üben.

Meine Minimal-Lösung stellt mich jedoch immer wieder vor neue Herausforderungen. Insbesondere das fehlende zweite Manual, aber auch das fehlerhafte Anschlaggefühl und die falsche Höhe des Manuals schränkten mich ein.

Letztlich fasste ich die Entscheidung, nun meinen eigenen Spieltisch nach BDO-Norm zu bauen. Erfahrung im Umgang mit der Sample-Software hatte ich bereits hinreichend gesammelt. Und die BDO-Norm bezüglich der Baumasse besorgte ich mir von einem Orgelbauer. Also konstruierte ich wieder und fertigte diesmal gleich zwei Schnittmuster für zwei Arbeitsplatten aus Buche an, die ich mir erneut im Baumarkt zurechtsägen liess.

Zur selben Zeit waren zwei Orgel-Manuale des Herstellers Fatar, die ich mir übers Internet bestellte, unterwegs. Aus einer weiteren Quelle erhielt ich 3 MIDI-Controller für die Manuale mit Merger-Funktion sowie eine Reihe Bestandteile elektrischer Ausrüstung, wie Netzteile, Computer, Kabel, Schalter, Taster, Beleuchtungseinrichtungen, Sicherungsautomat und vieles mehr. Ausserdem benötigte ich eine Reihe Werkzeuge für die Holzverarbeitung und -Veredelung, wie beispielsweise eine Oberfräse, verschiedene Bohrer und Lacke.

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Ertster Versuchsaufbau auf einer Tischplatte.

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Schnittmuster für die Buchenplatten.

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Beginn des Spieltischbaus.

Der Spieltisch ist zwischenzeitlich montiert, und ich habe endlich ein geeignetes Sample-Set gefunden. Ich entschied mich für die schwedische Bureå Church, dessen Töne Lars Palo in mühevoller Kleinarbeit digitalisierte. Sie kommt, was den Klang anbelangt, der Orgel am nächsten, auf der ich in der Kirchengemeinde spiele.

Sie hat vier Werke auf drei Manualen und Pedal sowie die Koppeln Pedal-Manual I, Pedal-Manual II, Pedal-Manual III, Manual I-II und II-III, einen Tremulant sowie einen Schweller und eine Setzeranlage.

Die Disposition lautet, wie folgt:

Hauptwerk (I)
(56 Noten, C-g3)

Prinzipal 8'
Gedackt 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Oktave 2'
Sesquialters II-fach
MixturV-fach
Trompete 8'

Pedal
(30 Noten, C-f1)

Subbass 16'
Prinzipal 8'
Gedackt 8'
Oktave 4'
Nachthorn 2'
Rauschpfeife IV-fach
Badun 16'
Trompete 4'

Brustwerk (III)
(56 Noten, C-g3)

Gedackt 8'
Koppelflöte 4'
Rohrquinte  2  2/3'
Prinzipal 2'
Oktave 1'
Zimbel II-fach
Krummhorn 8'

Schwellwerk (II)
(56 Noten, C-g3)

Rohrflöte 8'
Salicional 8'
Prinzipal 4'
Lochgedackt 4'
Waldflöte 2'
Terz  1  3/5'
Nasard  1  1/3'
Septime  1  1/7'
Scharff III-fach
Schalmei 8'
Tremulant

Für mich bedeutete das einen erheblichen Umbau meines Spieltischs. Dieser war für zwei Manuale ausgelegt und musste nun aufwändig umgebau werden. Ausserdem musste Platz für weitere Registerzüge geschaffen und Schweller und Koppeln nachträglich installiert werden.

Für die Registersteuerung waren zunächst elektrische Schalter-Wippen vorgesehen. Diese hatten sich jedoch in der Praxis als schwergängig und laut erwiesen, weshalb ich mir echte Registerzüge mit Manubrien aus Holz anfertigte. Dazu besorgte ich mir Rundhölzer und Schubladenknöpfe aus Buche. Anstelle der Emaille-Schildchen druckte ich mir die Beschriftung auf Hochglanz-Fotopapier und versiegelte den Druck anschließend mit einer selbstklebenden Folie.

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Die Manubrien betätigen in einer ersten Konstruktion noch echte elektrische Schalter, um die Midi-Befehle zu schalten. Allerdings übten die Schalter stetig Druck auf die Rundhözer aus, weshalb die Registerzüge schwergängig waren. Daher ersetzte ich zwischenzeitlich die Schalter gegen Reed-Kontakte und Magete. Die Bohrungen, die den Regsiterzügen als Führung dienen, habe ich mit Stoff ausgekleidet. Das Zuggefühl ist nun leicht saugend und angnehm.

Als nächstes werde ich die umgebauten Registerblöcke und die Setzersteuerung montieren und in Betrieb nehmen. Es gibt immer 'was zu tun..

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All' die Jahre war ich der Annahme, ein Pedal einer alten Kirchenorgel erworben zu haben. Heute habe ich jedoch erfahren, dass mein Pedal aus einer 1962-er Dereux-Orgel stammt.

Zunächst war ich enttäuscht, kein Original aus einer Pfeifenorgel erstanden zu haben, bis ich hier nachgelesen habe, dass das Pedal eigentlich exellent zu meinem Projekt paßt. Die Dereux-Orgel war die erste Orgel, die mit Original-Samples echter Pfeifenorgeln arbeitete. Das Prinzip entspricht meiner Umsetzungsidee, nur auf analoger Basis.

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